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4. November 2021

[Rezension] Crave von Tracy Wolff

Nach dem Unfalltod ihrer Eltern verschlägt es Grace buchstäblich ins kalte Exil: die Wildnis von Alaska, wo ihr Onkel ein Internat leitet, in dem es nicht mit rechten Dingen zugeht. Und die Schüler sind nicht weniger mysteriös, allen voran Jaxon Vega, zu dem Grace sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt – trotz aller Warnungen, dass sie in seiner Nähe nicht sicher ist. Doch Jaxon hat seinen Ruf nicht umsonst: Je näher sie und der unwiderstehliche Bad Boy einander kommen, desto größer wird die Gefahr für Grace. Offensichtlich hat jemand es auf sie abgesehen …

- Inhaltsangabe des Verlags, Quelle Verlagshomepage

"Ich stehe am Rand des Rollfelds, starre auf das Flugzeug, in das ich gleich einsteigen soll, und versuche krampfhaft, nicht komplett auszurasten." - Seite 7

"Crave" ist ein Buch, welches ich zwar irgendwann lesen, aber nicht zwingend in meinem Regal stehen haben wollte. Die Geschichte klang gut, aber nicht besonders. Vor Kurzem habe ich es sehr günstig als englisches eBook gesehen und direkt zugeschlagen.. ohne zu wissen, dass ich es wenige Tage später auf Deutsch in einer Buchbox haben würde. Keine drei Tage, nachdem mich die Box erreicht hat, war der knapp 700 Seiten starke Wälzer auch schon verschlungen.

Nach dem Unfalltod ihrer Eltern zieht Grace von San Diego zu ihrem Onkel und ihrer Cousine nach Alaska, wo ihr Onkel Leiter eines Internats ist, der Katmere Academy. Schon von Anfang an spürt sie, dass dort irgendwas anders ist und das liegt nicht nur an den eindringlichen Warnungen, sich von Jaxon Vega fernzuhalten, da er gefährlich ist. Doch gleich bei der ersten Begegnung fühlt sich Grace unerklärlich zu ihm hingezogen, obwohl er sie nicht gerade mit offenen Armen willkommen heißt und sie am liebsten direkt aus der Akademie schmeißen würde. Je länger sie dort ist, desto mehr spürt sie, dass die Schüler, Jaxon, ihre Cousine Macy und sogar ihr Onkel etwas Entscheidendes vor ihr geheim halten..

Ich hätte nie damit gerechnet, dass mir "Crave" so gut gefallen wird und ich die Rund 700 Seiten so schnell verschlinge. Das Buch wirkte einen absoluten Sog auf mich aus, ließ mich nicht mehr los und jedes Mal, wenn ich beim Lesen kurz auf die Uhr geschaut habe, habe ich mich erschrocken, wie viel Zeit schon wieder vergangen ist.

Dabei passierte lange Zeit.. wenig. Nein, wenig ist der falsche Ausdruck dafür, denn es passierte schon einiges, blieb aber eher ruhig, wenn man das so sagen kann. Grace kommt in Alaska an, muss sich erst einmal an die Höhenluft und ihr neues Leben in der Kälte ohne ihre Eltern gewöhnen. An sich ist das schon verdammt hart, doch die Schüler der Akademie beäugen sie skeptisch, meiden sie. Noch schlimmer wird es, als Jaxon in ihr Leben tritt, der vollkommen verwirrende Gefühle in ihr entfesselt. Nicht nur einmal bekommt sie zu hören, dass er gefährlich ist und sie sich von ihm fernhalten soll, doch das ist gar nicht so leicht.. Recht schnell wird klar, dass Grace Onkel, ihre Cousine, Jaxon, ja die ganze Akademie etwas vor ihr verheimlicht, doch was... mir persönlich war von Anfang an klar, was das "große Geheimnis" ist, lange bevor es nach knapp 400 Seiten dann ENDLICH aufgeklärt wurde. Abgesehen davon empfand ich die Geschichte als relativ unvorhersehbar und spätestens nach der ersten Hälfte hing ich wie gebannt und fast schon atemlos über den Seiten. Sehr spannend!
Auch die Lovestory konnte mich persönlich sehr überzeugen und ließ mich einfach nur schmachten.. Bevor ich mit dem Buch begonnen habe, habe ich eher Gemischtes darüber gelesen - die einen waren begeistert, die anderen hielten es für einen billigen Twilight-Abklatsch mit einer toxischen Beziehung. Ich bin zwar nicht vollkommen begeistert, obwohl mich das Buch definitiv überrascht hat und meine Erwartungen weit übertroffen hat, aber von einem Abklatsch ist "Crave" meilenweit entfernt.

Grace gefiel mir als Hauptfigur sehr. Ihr ganzes Leben liegt in Scherben vor ihr, als sie ihre Eltern verliert und ihr Zuhause verlassen muss, um zu ihrem Onkel nach Alaska zu ziehen - das komplette Gegenteil von dem, was sie kennt. Doch sie lässt sich von der neuen Situation nicht einschüchtern und erst recht nicht von Jaxon, der ihr Angst einjagen will, damit sie verschwindet. Sie bietet ihm die Stirn, was sonst keiner wagt. Jaxon ist auf den ersten Blick der typische Badboy.. naja, wohl auch auf den zweiten und dritten Blick, doch in ihm steckt viel mehr, was sich auch schnell herausstellt. Die beiden und auch die vielen anderen Charaktere konnten mich vollkommen überzeugen und sehr mitreißen.

Tracy Wolff erzählt die Geschichte im Ich-Erzähler aus Grace Sicht, was mir sehr gefiel. Ihr Schreibstil las sich für mich sehr angenehm und flüssig, sie beschreibt aber recht ausschweifend, was nicht für alle etwas ist. Ebenso benutzt sie teilweise echt abgedroschene Phrasen und baut sehr flache Witze ein. Ich kann mir vorstellen, dass manche das nicht mögen, ich persönlich fand es aber super und habe richtig viel gelacht.

Am Ende des Buches gibt es als Bonus noch drei Kapitel aus Jaxons Sicht, die mir richtig gut gefielen und die manches noch einmal anders beleuchten.

Apropos Ende.. "Crave" endet mit einem richtig fiesen Cliffhanger und obwohl das Buch mit seinen knapp 700 Seiten echt dick ist, hätte ich am liebsten noch mindestens 700 Seiten mehr lesen können. Leider erscheint der zweite Band der Reihe erst im Frühjahr 2022 auf Deutsch.. das ist schon fast Folter! Ich überlege ernsthaft, ob ich die Reihe nicht auf Englisch weiterlese..

"Crave" ist viel mehr, als ich erwartet habe und konnte mich mit der Sog-Wirkung, die die Geschichte auf mich hatte, echt überraschen. Ein sehr überzeugender Auftakt für die Reihe der Lust auf mehr macht!

Allerliebste Grüße,
Vanessa ♥

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